7 Tage, 5 Köpfe: Die Networking-Challenge

Erschienen in Real World Deutschland, März 2012

Ohne Netzwerk geht nichts mehr. Image: Facebook

Soziale Netzwerke haben die Welt im Sturm erobert. Und auch wenn viele sie noch immer gerne als „unnützen Zeitvertreib“ abstempeln – soziale Netzwerke sind sogar in Sachen Jobsuche die Zukunft und ein optimales Hilfsmittel für den ultimativen Karrieresprung.

Um Social-Media-Kritiker endgültig umzustimmen, soll ich mich innerhalb von sieben Tagen mit fünf deutschen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – am besten mit CEOs, großen Journalisten, Moderatoren, Politikern und Millionären – vernetzen. Erlaubt sind alle Tricks, die das Social Networking hergibt. Challenge accepted!

 

Erste Station: Facebook

Wo geht’s los? Klar: auf Facebook, DEM Sozialen Netzwerk, in dem sich heute doch eigentlich jeder tummelt. Oder doch nicht? Nein! Schnell stelle ich fest, dass unser liebstes Netzwerk nicht das ideale Tool ist, um professionelle Kontakte zu knüpfen: Gottschalk, Jauch,

In Sachen sozialem Karriere-Networking ist Facebook alles andere als ideal.

Becker & Co. haben nur inoffizielle Fanseiten statt privater Accounts. Natürlich könnte ich auf Fanseiten posten, aber da sie von Fans betrieben werden, kann ich wohl keine brauchbaren Kontakte erwarten. Nichts für meine Challenge.

Kontaktblocker: LinkedIn

Also versuche ich es mit LinkedIn – und siehe da: Es gibt begehrenswerte Kontakte en masse. In der erweiterten Suche kann ich die Ergebnisse nach Ländern, Firmen und Berufen eingrenzen und eine erste Suche nach „Deutschland + Journalist“ zeigt mir prompt Kontakte à la Matthias Streitz, „Chef vom Dienst“ bei Spiegel Online, und Wolfgang Büchner, Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur. Perfekt! Aber: Sobald ich auf „Vernetzen“ klicke, muss ich erst einmal angeben, woher ich Herrn Büchner kenne und – quasi als Beweis – eine gemeinsame Uni, Firma oder seine E-Mail-Adresse nennen.

Aus unerfindlichen Gründen rät LinkedIn stark davon ab, sich mit Personen zu verknüpfen, die man persönlich nicht kennt. Wie soll man denn da sein Netzwerk erweitern, bitteschön? Und was nun? Natürlich könnte ich dreist behaupten, Herr Büchner wäre ein „Freund“ – LinkedIn akzeptiert diese Option erstaunlicherweise ohne weitere Angaben – doch ich bezweifle stark, dass eine erlogene Kontaktanfrage der gelungene Start einer tollen Vernetzung ist. Ärgerlich … ich wechsle zu XING.

Open House: Xing

Und – wen haben wir denn da schon wieder? Wolfgang Büchner. Ein Klick – und wenige Minuten später habe ich die Bestätigung meiner Kontaktanfrage in meiner Inbox. Na also, geht doch! Ich forsche weiter und freue mich darüber, dass Xing mich problemlos mit jedem vernetzen lässt – das Tor zu neuen Kontakten steht weit offen.

Doch im Gegensatz zu den omnipräsenten Journalisten, CEOs, Moderatoren und Politikern, sind Millionäre – ich suche nach den ultimativen Geschäftsführern, Sportlern, Bankern – hier bei weitem nicht so stark vertreten. Vielleicht sind sie eifrige Zwitscherer? Nein, unsere Millionäre sind auch auf Twitter nicht zu finden. Ebenso fehlen hier CEOs – und überraschenderweise auch die Moderatoren.

Testsieger: XING. Gleich anmelden und ran ans Networking!

Der Mix macht’s

Mein Fazit nach sieben Tagen, gefüllt mit Social Networking: Xing ist der eindeutige Sieger, wenn es um professionelles Networking geht, dicht gefolgt von Twitter für Instant-Networking und interessante Dialoge. Mein Geheimtipp zur garantierten Kontaktaufnahme: eine Xing-Anfrage, direkt kombiniert mit einem Twitter Follow!

Mission: possible (fast)

Nun, meine Challenge konnte ich nicht ganz meistern, dennoch bin ich äußerst zufrieden mit meiner Ausbeute: Zu meinen Kontakten – die ich zu 100 Prozent meiner Xing/Twitter-Taktik zu verdanken habe – zählen nun Michael Samak, CEO von Saatchi & Saatchi Deutschland; Wolfgang Büchner, Chefredakteur der Deutschen Presse- Agentur; Dennis Wilms, Prince Charming der ARD und – haltet euch fest – Dr. Guido Westerwelle. Wer fehlt? Nicht nur in der Realität, sondern auch in der Erfüllung der Challenge – mein Millionär. Aber das wird sich hoffentlich noch ändern…
Was halten die Profis eigentlich von sozialem Networking?

Michael Samak, CEO Saatchi & Saatchi Deutschland & Schweiz

„Durch soziale Medien können Studenten viel einfacher mit Entscheidern in Dialog treten – beispielsweise nach einem Gastvortrag an einer Universität. Am Ende ist es jedoch wie im echten Leben: Was zählt, ist relevanter Content. Der Zugang allein bringt nichts, doch wer was zu sagen hat, kann jetzt noch leichter networken. LinkedIn ist internationaler als XING und XING wiederum eine gute Business-Plattform in Deutschland. Beide dienen dem langfristigen und nachhaltigen Networking.“

 

 

Barbara Braehmer, Personal Consultant bei Intercessio Personalberatung

„In Social Media ist es wichtig, ein gutes Profil zu haben, das wiedergibt, was man wirklich kann. Eine Bewerbung ist ,old school’ und ein Profil muss gut genug für eine klassische Bewerbung sein. Große Konzerne suchen Studenten im XING, es ist daher das wichtigste Medium für deutsche Studenten. Auch die neue Facebook-Chronik ist die Chance für Bewerber, da sie Privates und Berufliches kombiniert – und sie wird in Zukunft vor allem für Unternehmen, die Bewerber mit Persönlichkeit suchen, unglaublich wichtig.”

 

 

 

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